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Kleinwasserkraftwerk Hainmühle

An mehreren Ecken stehen Bauzäune, dahinter parken große Bagger oder liegen Schutthaufen. Das kleine Kraftwerkhäuschen mit rotem Dach ist von einem Gerüst umzäunt. Innen rattert es aber: Die gelbe Kaplanturbine dreht sich rasch. Daneben befindet sich ein Generator mit 90kW. Die Energie soll in das öffentliche Netz eingespeist werden und künftig Haushalte in Bürgeln versorgen. Noch läuft das Wasserkraftwerk mit einer Fallhöhe von 1,57 Meter im Testbetrieb.

Fischschutz erforderter viel Beton

Dass das Wasserwerk heute schon läuft, war vor einigen Jahren nur auf dem Papier vorstellbar. Es war ein langer Weg bis zum Einweihungstag am Pfingstmontag 2026. 2018 startete die „Wasserkraft Hainmühle GmbH & Co. KG“ die ersten Gespräche mit dem Eigentümer der Hainmühle und dem Regierungspräsidium Gießen. Im Jahr darauf wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Jahr 2022 reichten die Verantwortlichen die Planunterlagen ein – erst drei Jahre später, im April 2025, folgte die Baugenehmigung. Knapp 1,2 Millionen Euro kostete das Bauvorhaben. Der Bau des „Buchtenkraftwerks“ mit „teilgeheberter Kaplanturbine“ wurde so konstruiert, „dass sie von Fischwegen umrandet ist“, sagt Max Friedrich, Mitverantwortlicher der Steinhoff GmbH. Auf der Uferseite ist der Fischaufstieg, auf der Gewässerseite der Fischabstieg.

Fischwanderhilfe stellen die Durchgängigkeit am Kraftwerk sicher -© Haag-Lorenz

Davor befindet sich ein Horizontalrechen. Dieser hat Vorteile gegenüber dem Vertikalrechen: „Weil die allermeisten Fische höher als breit sind, hat der Horizontalrechen bei gleicher Stabweite eine bessere Schutzwirkung, dass die Fische nicht in die Turbine gelangen“, so Friedrich. Zudem wurde der Horizontalrechen bei der Hainmühle schräg im Gewässer positioniert, wodurch die Strömung außerhalb stärker ist. „Dadurch werden Fische und Treibgut automatisch entlang des Rechens geleitet und nicht angesogen“, so Friedrich. Für den Fischschutz und Fischaufstieg, einen vertikalen Schlitzpass, wurden 42 Prozent des Betonbaus benötigt. Auf dem Boden des Aufstiegs befindet sich eine etwa 30 Zentimeter hohe Schicht mit Steinen, damit Fische eine natürliche Sohle vorfinden. In Becken haben Fische die Möglichkeit, sich auszuruhen. „Wir müssen immer schauen, dass genug Wasser über die Fischwege geht“, so Friedrich. Dies sei nach Pegel geregelt – nur das übrig bleibende Wasser darf das Kraftwerk verwenden. Die Ohm bringe rund 8.000 Liter Wasser pro Sekunde, so Friedrich. Zum Vergleich: Eine Badewanne fasst um die 200 Liter.

Hainmühle: Wasserkraft seit 1555

An der Hainmühle wurde die Wasserkraft bereits im Mittelalter genutzt. Die erste urkundliche Erwähnung war im Jahr 1555. Zuletzt befand sich das Wehr im Besitz der Stadt Kirchhain und wurde von der Firma Steinhoff übernommen. „Die waren sehr dankbar, weil mit dem Wehreigentum die Unterhaltungspflicht verbunden ist“, so Friedrich. Und auch bei den Besucherinnen und Besuchern am Pfingstmontag komme das Wasserkraftwerk gut an, erzählt Ronald Steinhoff, Geschäftsführer Steinhoff Energieanlagen GmbH: „Die Leute finden es gut, dass hier Strom auf eine Art erzeugt wird, bei der die Wertschöpfung bleibt und der Strom qualitativ hochwertig, stetig und regelbar ist.“

Das Kraftwerk bei der Einweihungsfeier – © Haag-Lorenz