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Sommer 2026: Extrem heiß, extrem trocken – Zeit für ein robustes Energiesystem

Die vergangene Monate waren von Wetterextremen geprägt. In Österreich begann im der weiten Juni-Hälfte eine Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius: Die Juni-Rekordwerte wurden an 157 der insgesamt 277 Messstellen von GeoSphere Austria übertroffen.Nicht viel besser dann im Juli: Mit 40,3 Grad Celsius wurde in Wieselburg der Monats-Rekord aus dem Jahr 1983 überboten. Neben heiß war es auch trocken: Über ganz Österreich hinweg lagen die Niederschlagsdefizite bei 50 bis 80%. Der Juli 2026 zählt somit zu den fünf niederschlagsärmsten Julimonaten in den vergangenen 169 Jahren. In der ersten Augusthälfte war Niederschlag ebenso rar. Und: In Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich wurde am 4. August 026 ein österreichweiter Temperaturrekord verzeichnet: 41,2 Grad Celsius.

Nicht viel besser war es in Deutschland: laut deutschem Wetterdienst lag die Durchschnittstemperatur bei 19,5° Celsius. Nur 2019 war es mit 19,8 °C noch wärmer. Der Monatshöchstwert und gleichzeitig deutschlandweite Allzeitrekord wurde am 28. in Neißemünde-Coschen (Brandenburg) mit 41,7 °C gemessen. Die wenigen Niederschläge waren sehr inhomogen verteilt. Im Juli lag das Temperaturmittel bei 19,7 °Celsius und wurde im Vergleich zur internationalen Referenzperiode 1961-1990 um 2,8 Grad Celsius überschritten. Der Juli war ebenso trocken: mit Ausnahme Berlins wurde in keinem Bundesland das Klimasoll der Referenzperiode erreicht. Historische Ausmaße nahm die Niederschlagsarmut im Westen, Teilen des Südwestens und der westlichen Mitte an. 

Auch der August war zu warm: Das europäische ECMWF-Wettermodell berechnete für den letzten Sommermonat in Deutschland eine Temperaturabweichung von 3 Grad, wobei die größte Anomalie in der Südhälfte Deutschlands zu verzeichnen ist. 

Hitze und Dürre betrafen nicht nur Österreich und Deutschland, sondern weite Teile Europas. Laut dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus war der Juli 2026 der zweitwärmste Juli aller Zeiten – gleichauf mit dem Juli 2024. In Westeuropa war die durchschnittliche Temperatur höher, im Osten und Teilen Skandinaviens dagegen etwas kühler. Betrachtet man Juni und Juli zusammen, war es in Westeuropa so heiß wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur in der Region betrug in dem Zeitraum 21,62 Grad Celsius und lag damit 2,79 Grad Celsius über dem langjährigen Referenzwert von 1991 bis 2020. Weltweit lag der Juli 2026 1,18 °C über dem Durchschnitt. Die letzten vier Juli-Monate (2023- 2026) waren zudem die wärmsten der Messgeschichte.

Wasserknappheit: Wasser sparen?

Die Wetterereignisse hatten weitreichende Folgen, insbesondere hinsichtlich der Dürre: Wasser ist unser aller Lebensgrundlage, egal ob für industrielle Zwecke, Bewässerung, oder den persönlichen Bedarf. Die Niederschläge waren in vielen Regionen derart gering, dass einige Gemeinden zum Wassersparen aufriefen: Beispielsweise wurde in Österreich dazu aufgefordert, auf Autowäschen zu verzichten oder Pool-Befüllungen anzumelden, damit diese koordiniert werden können. Vereinzelt kam es soweit, dass Nachbargemeinden Unterstützung leisten mussten.

Waldbrände

Laut der Waldbrand-Datenbank Österreich gab es bereits bis Mitte August 2026 364 Waldbrände. Im Juni wurden dabei 49 Brände, im Juli 93 Brände verzeichnet. In der ersten Augusthälfte wurden bereits 70 Brände gemeldet. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 gab es 193 Waldbrände, in den zwei Jahren davor je etwa 150. Auch flächenmäßig wurde ein trauriger Rekord erzielt: 2026 brannte bereits die fünffache Fläche eines durchschnittlichen Jahres ab. Laut dem Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) ist mittelfristig eine konstante Steigerung der Waldbrände zu erwarten.

Auch in Deutschland verbrannte mehr Fläche als sonst. Bis Ende August waren laut dem European Forest Fire Information System (EFFIS) mehr als 3.000 Hektar betroffen – der Durchschnitt von 2006- 2025 liegt bei 912 Hektar.

Landwirtschaft auf dem Trockenen

Eine Branche, die besonders auf ausreichend Wasser angewiesen ist, ist die Landwirtschaft. Die Österreichische Hagelversicherung spricht von „katastrophalen Dürreschäden“: der Gesamtschaden für die Branche beläuft sich laut Aussendung auf 1 Milliarde Euro. Betroffen seien das gesamte Bundesgebiet und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, in einigen Regionen auch Getreide. Da der Versicherer nur für etwa 400 Millionen Euro aufkommt, ist die Politik gefragt. Bundesminister Norbert Totschnig hat etwa allen Betroffenen schnelle Hilfe in Aussicht gestellt – trotz des angespannten Budgets. Auch unversicherte Bäuer*innen sollen aufgrund der aktuellen Lage Hilfsmittel erhalten.

In Deutschland ist die Situation etwas anders. Aufgrund der Größe des Landes ist der Niederschlag teils sehr unterschiedlich, was sich auf die Landwirtschaft entsprechend auswirkt. Insbesondere in Süddeutschland fiel deutlich weniger Regen. Der Deutsche Bauernverband spricht von einer „unterdurchschnittlichen Ernte“, vor allem bei Weizen und Raps. Er rechnet insgesamt mit einer Erntemenge von 41,9 Millionen Tonnen – nach 45 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Zudem wurde im Süden Futtermittel wie Gras und Heu für Rinder knapp. Die endgültigen Auswirkungen werden sich allerdings erst im Verlauf der Herbsternte zeigen. Auch bei anderen Nahrungsmitteln wie zB Äpfeln zeigen sich Einbußen.

Der Bauernverband fordert angesichts einer angespannten Lage vieler Höfe sofortige Finanzhilfen von der Bundesregierung.

Flussökologie

In vielen Flüssen floss im Sommer extrem wenig Wasser. So wenig, dass Fische in Bedrängnis kamen: Zu wenig und zu warmes Wasser gepaart mit einem niedrigeren Sauerstoffgehalt sorgte dafür, dass Fische erstickten. Durch diesen Umstand kam es beispielsweise in Niederösterreich zu Notabfischungen. Ein weiteres Problem sind Cyanobakterien, die auch unter dem Namen Blaualgen bekannt sind. Sie treten vor allem bei warmen Temperaturen, hohem Nährstoffgehalt und viel Sonnenlicht in Gewässern auf. Kommt man damit in Berührung bzw. schluckt man mit Cyanobakterien kontaminiertes Wasser, kann es zu Haut- und Augenreizungen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Besonders Kinder und Tiere – vor allem Hunde – können ernsthafte gesundheitliche Folgen davontragen. Das Abkühlen in Flüssen war damit an einigen Orten gerade wegen den hohen Temperaturen nicht möglich.

Wasserkraftanlagen

Die niedrigen Wasserstände machte nicht nur der Ökologie zu schaffen, sondern auch der Kleinwasserkraft. Bei einigen Anlagen gab es Abweichungen von 25 bis 30% vom langjährigen Durchschnitt, andere waren wesentlich stärker betroffen und steuern auf eine Jahresproduktion von unter 50% des langjährigen Schnittes zu. Da die Wasserverfügbarkeit bereits im Winterhalbjahr und im Frühling 2026 gering war, wird die Gesamtproduktion der Kleinwasserkraft gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich niedriger ausfallen. 2025 gab es zumindest im Juli und August Niederschläge, die dem Durchschnitt entsprochen haben, dies war heuer nicht der Fall.

Auch in Deutschland sind Wasserkraftwerke betroffen. Die Stromerzeugung aus Groß- und Kleinwasserkraft lag laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in diesem Jahr in jedem Monat deutlich unter dem zehnjährigen Mittel.

Fossile und AKW´s schalteten ab

Nicht nur Wasserkraftwerke benötigen Wasser, um Strom zu erzeugen. Auch fossile Kraftwerke und Atomkraftwerke sind zur Kühlung darauf angewiesen. Das AKW Paks in Ungarn wurde im August kurzfristig abgeschaltet, ebenso das rumänische AKW Cernavodă. In Polen mussten Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die Mit-Verursacher der hohen Temperaturen leiden jetzt unter denselben.

Fazit

Der Sommer 2026 hat gezeigt, was die Klimakrise bedeutet: Hitze, Trockenheit und Extremwetter. Die Folgen reichen von Ernteausfällen und Waldbränden über Wasserknappheit und geschädigte Ökosysteme bis hin zu Problemen bei der Stromerzeugung. Und sie treffen längst nicht mehr nur einzelne Regionen oder Branchen, sondern uns alle. Die Konsequenz daraus kann nicht sein, lediglich auf den nächsten Rekordsommer zu reagieren. Wir müssen die Ursachen bekämpfen und unsere Energieversorgung widerstandsfähiger machen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist dabei ein zentraler Hebel. Denn eines dürfte nach diesem Sommer klarer sein denn je: Wir können den Klimawandel nicht mehr wegdiskutieren. Aber wir können entscheiden, wie gut wir auf ihn vorbereitet sind – und welchen Beitrag wir leisten, um ihn zu begrenzen.